Aktivist ermordet, Familie in Gefahr

Häuser an einem Flussufer im Hintergrund Regenwaldbäume

Auch im Ort Cuninico am Amazonas-Quellfluss Marañón sind Menschen den gesundheitsschädlichen toxischen Metallen ausgesetzt

Am 11. September 2020 wurde der Menschenrechtsverteidiger Roberto Carlos Pacheco von unbekannten Angreifern erschossen. Er hatte schon seit 2012 Morddrohungen erhalten, weil er sich gegen den illegalen Bergbau im Tambopata-Reservat in der Region Madre de Dios im Amazonas eingesetzt hat. Obwohl sie begrenzte Schutzmaßnahmen von den Behörden erhalten hatten, glauben seine Familienangehörigen, dass sie nach wie vor nicht sicher sind. Besonders Demetrio Pacheco, der Vater von Roberto Carlos Pacheco und Vizepräsident des Führungskomitees des Tambopata-Reservats, soll in Gefahr sein. Amnesty International fordert die Staatsanwältin auf, den Mord an Roberto Carlos Pacheco aufzuklären, die Verdächtigen zur Rechenschaft zu ziehen und die Familie Pacheco zu schützen.

Appell an

Public Prosecutor

Zoraida Ávalos Rivera

Fiscalía de la Nación – Ministerio Público

Av. Abancay 5, Cercado de Lima

15001, Lima

PERU

Sende eine Kopie an

Botschaft der Republik Peru

S.E. Herrn Elmer Schialer

Taubenstraße 20

10117 Berlin


Fax: 030-20641077

E-Mail: info@embaperu.de

Amnesty fordert:

  • Ich fordere Sie auf, entsprechend internationalen Menschenrechtsstandards umgehend eine gründliche und unparteiische Ermittlung zu diesem Mord einzuleiten. Untersuchen Sie bitte auch die mögliche Verbindung des Menschenrechtsaktivismus von Demetrio und Roberto Carlos Pacheco mit dem Mord. Stellen Sie die Verdächtigen vor Gericht und gewähren sie der Familie vollumfänglichen Schutz, wie es in der UN-Erklärung zum Schutz von Menschenrechtsverteidiger_innen festgeschrieben ist.

Sachlage

Unbekannte Angreifer erschossen am 11. September 2020 den Menschenrechtsverteidiger Roberto Carlos Pacheco. Er erhielt schon seit 2012 Morddrohungen, weil er sich gegen illegale Minen im Tambopata-Reservat in der Region Madre de Dios im Amazonas eingesetzt hat. Diese Drohungen wurden den Behörden gemeldet.

Seine Familie berichtete, dass sie weiter in Gefahr sei, obwohl sie einige begrenzte Schutzmaßnahmen von den Behörden erhalten hätten. Die Familienangehörigen sorgen sich besonders um Demetrio Pacheco, den Vater von Roberto Carlos Pacheco. Er ist Vizepräsident des Führungskomitees des Tambopata-Reservats.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Das Führungskomitee des Tambopata-Reservats kämpft seit 2011 dafür, dass der illegale Bergbau und dessen negative Auswirkungen auf die Natur gestoppt werden. 2012 begannen die Drohungen und Angriffe auf die Mitglieder des Komitees und andere Menschenrechtsverteidiger_innen in der Region.

Am 19. November 2015 wurde der Umweltaktivist Alfredo Ernesto Vracko Neuenschwander getötet. Er hatte mehrere Morddrohungen erhalten, nachdem er sich über den illegalen Bergbau im Gebiet La Pampa in der Region Madre de Dios beschwert hatte. Örtlichen Menschenrechtsorganisationen zufolge würden die Ermittlungen nicht weiter fortschreiten, obwohl die Familie von Alfredo Ernesto Vracko Neuenschwander die Verantwortlichen identifiziert haben soll.

Demetrio Pacheco teilte Amnesty International mit, dass sein Sohn Roberto Carlos Pacheco dreimal attackiert oder mit dem Tod bedroht wurde. Im März schlugen ihn unbekannte Angreifer zusammen und bedrohten ihn mit einer Schusswaffe sowie einem Messer. Im gleichen Monat bedrohten ihn Unbekannte, indem sie ihm eine Pistole in den Mund hielten. Sie zerstörten einige seiner persönlichen Gegenstände. Später im Jahr wurde eine Kugel auf seinem Esstisch platziert. Alle drei Drohungen wurden den Behörden gemeldet. Trotzdem konnten die Behörden weder herausfinden, wer für die Drohungen verantwortlich ist, noch effektiven Schutz für Roberto Carlos Pacheco leisten.

Roberto Carlos Pacheco wurde am 11. September 2020 erschossen. Sein Leichnam wurde in der Nähe der Gemeinde San Juan in der Region Madre de Dios gefunden.

In den vergangenen Jahren war die Region Madre de Dios im peruanischen Amazonas ein Epizentrum für Sozial- und Umweltkonflikte. Die Konflikte basieren auf dem wachsenden illegalen Bergbau, der durch organisiertes Verbrechen (laut der Definition des Verfassungsdekrets No. 1105-2012) betrieben wird, den illegalen Rodungen und der Kontaminierung durch giftige Metalle. Im Januar 2020 traf sich Michel Forst, ehemaliger UN-Sonderberichterstatter über die Lage von Menschenrechtsverteidiger_innen, mit Vertreter_innen des Führungskomitees des Tambopata-Reservats und äußerte öffentlich seine Besorgnis über ihre Situation.