Amnesty Journal Irak 05. Februar 2018

Die heimlichen Rebellen von Mossul

Portrait von Amar Hamdiyeh

Rohe Stiche. Amar Hamdiyeh in seinem Tattoostudio in Mossul

Drei Jahre lang beherrschten die Dschihadisten des ­Islamischen Staats die nordirakische Millionenmetropole. Doch nicht alle Bewohner gehorchten deren Verbot von ­Zigaretten, Musik und Handys. Seit der Befreiung der Stadt am Tigris wagen sich die heimlichen Rebellen wieder ans Tageslicht.

Aus Mossul berichten Theresa Breuer (Text) und Jacob Russell (Fotos)

Wenn Amar Hamdiyeh an das Mossul vor dem Islamischen Staat denkt, beschreibt er eine Rose. Jede Blüte habe für eine ­Gemeinschaft gestanden, die hier zu Hause war: Für Sunniten, Schiiten und Christen, die friedlich miteinander lebten. Eine kostbare Blume, getränkt von den Wassern des Tigris, in dem er so gern mit seinen Freunden schwimmen ging. Doch die Schergen des Islamischen Staats hätten die Rose zerrissen, ihre Blätter verwelken lassen.

Amin Mokdad hatte schon lange vorher eine Ahnung, dass mit seiner Heimatstadt etwas nicht stimmte. In seiner Kindheit, als er Musiker werden wollte und in ganz Mossul kein Musikgeschäft fand. In seiner Jugend, als islamistische Gruppen die Stadt mit Anschlägen terrorisierten. Und im Studium, im Jahr 2010, als er endlich einem alten Mann ein Cello abgekauft hatte und ihn bei einem Konzert bärtige Männer fragten, warum er nichts Sinnvolles mit seiner Zeit anfange.

Mohammed Haddad hatte sich früher nie Gedanken über seine Stadt gemacht. Er war noch ein Kind, als der IS in Mossul einfiel. Es sollte noch ein paar Jahre dauern, bis er seine Unschuld verlieren würde.

Amar Hamdiyeh, Mohammed Haddad und Amin Mokdad kennen sich nicht, aber sie alle eint etwas: Sie haben sich gegen den Islamischen Staat aufgelehnt, der drei Jahre über Mossul herrschte, jeder auf ganz andere Art. Jeder von ihnen hat Verletzungen erlitten und versucht jetzt, nach der Befreiung, zu so ­etwas wie Normalität zurückzufinden.

Aus dem Auto sieht man eine Straße in Mossul, wo vier junge Männer an eine Mauer malen

Übertünchte Wunden: Mossul im September 2017.

Kampf gegen die Langeweile

Im Sommer 2014 war die Terrororganisation in die zweitgrößte Stadt des Iraks eingerückt, hatte die Armee in die Flucht geschlagen und ihr Regime etabliert. Viele Bewohner begrüßten die sunnitischen Islamisten. Doch dann kamen die strengen Kleidervorschriften. Das Verbot von Zigaretten, Musik, Handys. ­Später die öffentlichen Hinrichtungen. Nicht alle nahmen die Unterdrückung hin. Auf vielen Ebenen wuchs auch der Widerstand. Menschen widersetzten sich dem Rauch- und Trinkverbot. Sie widersetzten sich der intellektuellen Erstickung. Oder, wie Amar Hamdiyeh, der Langeweile.

Wer zu dem 28-jährigen Tattookünstler gelangen will, fährt durch eine bizarre Stadt. Der Verkehr im Ostteil staut sich schon wieder, während am Straßenrand noch die Skelette ausgebombter Autos liegen. Auf den Balkonen von Häusern voller Einschusslöcher hängt Wäsche zum Trocknen. Amar Hamdiyehs Tattoostudio liegt in einer kleinen Seitenstraße im Viertel Karama. Es ist nicht viel mehr als eine Einbuchtung in der Wand, heiß und stickig. Ein Dutzend junger Männer in Trainingsanzügen drängt sich auf den abgewetzten Sofas im Raum. Sie zeigen einander ihre Tattoos und rauchen Kette. In der Ecke liegen Hunderte Zigarettenstummel.

Gerade sind keine Kunden da. Der Osten Mossuls wurde schon im Januar 2017 befreit, der große Ansturm auf das Studio ist vorbei. "Will jemand ein Tattoo?", fragt Hamdiyeh deshalb in die Runde. "Klar", sagt ein junger Mann namens Danun. "Wie wär’s denn mit 'Ich liebe meine Mama' auf Deutsch?" Mit einem blauen Filzstift schreibt Hamdiyeh den Satz auf Danuns Arm. Er desinfiziert weder Haut noch Maschine, sondern legt einfach drauflos. Die Nadel sticht die schwarze Tinte in die Haut, fünf Minuten später ist das Tattoo fertig.

Als der IS herrschte, musste Hamdiyeh sein Handwerk verstecken. Auch Tätowierungen fielen unter das Bilderverbot. "Ich wusste, dass sie mich hart bestrafen würden", sagt er, "aber was sollte ich machen, es ist nun mal meine Leidenschaft." Bereits mit zwölf habe er mit dem Tätowieren begonnen, inspiriert durch einen Künstler in der Nachbarschaft. Sein erstes Versuchskaninchen war er selbst. Mit feinen Messern ritzte er die Tattoos damals. Heute ist er am ganzen Körper tätowiert. Aber sein erstes Tattoo, der rotgrüne Drache auf seinem rechten Bein, ist noch immer sein liebstes.

Hamdiyeh erzählt, dass er sich eigentlich den Regeln fügen wollte, als die Islamisten anrückten. "Ich dachte, sie bringen vielleicht etwas Gutes." Doch dann zertrümmerten die Kämpfer die Billardtische in seinem Lieblingscafé. Zwangen die Männer im Viertel, sich einmal die Woche in einer Reihe aufzustellen, damit IS-Anhänger Bartlänge und Kleiderordnung überprüfen konnten. Hamdiyeh und seine Freunde verloren ihre Arbeit, weil die Fabriken in der Stadt schlossen. Früher hatte er in seiner Freizeit Motorräder repariert, Handybilder mit Mädchen ausgetauscht, war im Tigris geschwommen. Nun begann er, seine Freunde zu tätowieren, heimlich, bei sich zu Hause. Fremde durften nur auf Empfehlung kommen.

Hamdiyeh wirkt älter als 28, obwohl er kaum größer als 1,50 Meter und mager ist. Viele seiner Freunde sehen müde aus und verlebt. Das, was er sticht, ist roh, unscharf, improvisiert. Den jungen Männern geht es nicht um feinsäuberliche Ästhetik. "Tattoos sind ein großes Versteckspiel", sagt Amar. "Man weiß nicht, wo sie beginnen und wo sie enden, und was sie bedeuten, bleibt dem überlassen, der das Tattoo trägt."

In einer Gesellschaft, in der ein falsches Wort den Tod bedeuten kann, sind Tattoos eine Möglichkeit, sich auszudrücken. Das Maschinengewehr auf seinem rechten Arm: der Sound des Terrors. Der Skorpion auf dem linken: das Gift, mit dem der Islamische Staat Mossul infiziert hat. Der Totenschädel: ein Symbol für mörderische Ideologien, die in den Köpfen von Menschen überall auf der Welt entstehen.

Die Tattoos bedeuteten auch Gefahr. Es galt die Regel: Wer mit einem Tattoo erwischt wird, verrät nicht, wer es gestochen hat. Aber im Sommer 2015 bricht ein Freund das Versprechen. "Ich hatte ihm Flammen auf den Arm tätowiert", erzählt Hamdiyeh, "und der Typ ging direkt danach im Tigris schwimmen. Natürlich wurde er gesehen." Wenige Tage später standen zwei Männer vor Hamdiyehs Wohnungstür und befahlen ihm, mit­zukommen. Er wehrte sich nicht gegen die 70 Peitschenhiebe im Hinterhof einer Polizeistation. "Meinem Verräter erging es schlimmer. Der musste sich den Kämpfern anschließen und ist bei der Befreiung Mossuls gestorben."

Die Narben der vergangenen Jahre sind deutlich sichtbar. ­Einige haben Hamdiyeh und seine Freunde sich selbst zugefügt. Wenn sie trinken, ritzen sie ihre Haut mit Rasierklingen, über Gefühle sprechen sie nicht. Auch Hamdiyeh hat frische Schnittwunden an Stirn und Bauch. "Wenn uns Unrecht widerfährt, wenden wir die Aggression nach innen", sagt er.

Nachdem der IS Hamdiyeh erwischt hatte, hörte er für einige Monate auf mit dem Tätowieren. Dann machte er weiter. "Wir sind junge Männer", wirft einer seiner Freunde ein. "Wir wollen Spaß haben und mit Frauen abhängen. Unter dem IS sahen alle Frauen aus wie Ninjas." Wurde die Langeweile zu groß, schluckten sie Pillen, von denen sie nicht wussten, was sie enthielten. Sie mischten Alkohol aus der Apotheke mit Energydrinks und wankten high durch die Straßen.

Hamdiyehs Waffe war die Nadel, mit ihr bekämpfte er die Langeweile. Die Waffe von Mohammed Haddad war eine Pistole, Kaliber neun Millimeter, seinen echten Namen zu nennen wäre zu gefährlich. Denn mit ihr übte er Rache. Für die Männer in ­seinem Viertel, die verschwanden. Für seine Kumpel, die beim Fußballspielen fluchten und auf der Stelle hingerichtet wurden. Und für seinen besten Freund, den die Fundamentalisten erschossen, weil er seinen Bruder in Bagdad angerufen hatte.

Ein junger Mann hockt vor einer Wand, neben ihm ein Maschinengewehr

Widerstand gegen den IS: Mohammed Haddad trat mit 15 einer Miliz bei

Muqawama heißt Widerstand

"Halt den Kopf unten", hatte sein Vater ihm eingeschärft. Aber Haddad wollte nicht zur schweigenden Masse gehören. "Ich wäre lieber in Würde gestorben." Also schloss er sich im Frühjahr 2015 einer Widerstandsgruppe an. Er war damals 15 Jahre alt und ein guter Schütze. Zu den Picknicks am Wochen­ende hatte seine Familie oft Waffen mitgenommen, man schoss zum Spaß auf Pepsidosen, ein ganz normaler Zeitvertreib im Irak.

Meshal Ghazi, 29, ist der Anführer einer der Sunnitenmilizen, der Nabi Younes Resistance Group. Früher arbeitete Ghazi als Polizist in Mossul und jagte, wie er sagt, Terroristen von Al-Qaida. Als der IS anrückte, musste er fliehen und baute aus dem Exil seine Truppe auf, 47 Männer, zwei Frauen. Alle seien Zivilisten gewesen. Friseure, Taxifahrer, Kellner. Mohammed Haddad kannte Ghazi über seinen älteren Bruder. "Zwei Monate habe ich gebettelt, bevor Meshal mich endlich aufgenommen hat", sagt er. Jetzt sitzen die beiden in einem Haus, das kürzlich noch einem Emir des IS gehörte. Aber statt der religiösen Bücher liegen Hand­granaten im Regal.

Ghazi erzählt, dass er sein Auto verkauft habe, um den Widerstand zu finanzieren. Seine Mitstreiter bekamen Mobil­telefone und Motorräder und sammelten Informationen über IS-Kämpfer.  Diese gab er an das US-Militär weiter, das Luftanschläge flog. Zum Beweis legt er ein Papier vor, das ihn als Mitarbeiter der ­Koalitionsstreitkräfte ausweist. Die Gruppe agierte in Dreier- und Viererteams.  Nachts sprühten sie den Buchstaben M an Häuserwände, für "Muqawama", Widerstand. Ghazi zeigt Videos davon auf seinem Handy. "Eine Spielerei", sagt er. Nicht so die wirklich wichtigen Missionen, für die er seine zwölf stärksten Männer auswählte: Sie sollten IS-Kämpfer töten.

Mohammed Haddad sieht nicht aus wie ein Killer. Eher wie das Mitglied einer Boyband. Er ist groß und schlank, trägt zerrissene Jeans und Sneakers. Als die irakische Armee Mossul zurückerobert hatte, ging der 17-Jährige als Erstes zum Friseur, um sich einen Undercut schneiden zu lassen. Er lächelt charmant, als er sagt, dass er seiner Familie natürlich nichts von den Ereignissen im Frühjahr 2016 erzählt hat.

Wochenlang hatte er damals die Bewegungen von Abu Obeida beobachtet, eines IS-Mannes, der jeden Freitag im Shallalat-Distrikt beten ging. Das Gebiet liegt im Norden Mossuls und ist für seinen guten Mobilfunk­empfang bekannt. Bewohner, die heimlich Verwandte anrufen wollten, kamen hierher. Andere, um irakischen Sicherheitsbehörden Informationen zu geben. Abu Obeida kam, um diese Menschen umzubringen.

Als der IS-Scherge an jenem Freitgabend aus  der Moschee trat und in eine Seitenstraße einbog, war Haddads Moment gekommen. Der Fahrer seines  Toyotas fuhr auf einer Höhe mit Abu Obeida, machte für wenige Sekunden neben ihm halt. Dreimal feuerte er seine Waffe ab, traf ihn zweimal in die Brust, einmal in den Kopf. Dann fuhren sie schnell um zwei Straßenecken und fädelten sich wieder in den Verkehr ein.

"Den Abzug zu drücken war einfach", sagt Haddad. Die Schüsse erlösten ihn von der aufgestauten Wut. Auf der Fahrt nach Hause habe ihn dann ein Taubheitsgefühl überkommen. Und eine Ahnung, dass er etwas getan hatte, das sein Leben für immer verändern könnte. In der Dunkelheit seines Zimmers überfiel ihn Todesangst. "Ich bekam keine Luft mehr", sagt er. Er rief Ghazi an. "Sie werden mich finden und mir den Kopf abschneiden", sagte er zu ihm. Die halbe Nacht versuchte Ghazi, den Jungen zu beruhigen. "Zwei Tage lang konnte ich nicht ­essen, nicht schlafen", sagt Haddad. Aber niemand kam, um ihm den Kopf abzuschneiden. Am dritten Tag begann er, sich zu entspannen. Zwei andere von Ghazis Leuten wurden im Kampf gegen den IS erwischt, beide auf der Stelle erschossen.

Für ihn ist der Kampf noch lange nicht vorbei. "Letztes Jahr waren Tausende Kämpfer in der Stadt", sagt er. "Die sind nicht alle geflohen oder gestorben." Mit seinen Männern ist er weiter auf der Jagd, sie sammeln Bilder von IS-Anhängern und gehen Tipps nach. Und wenn sie einen finden? "Dann bringen wir ihn um", sagt Ghazi. "Der IS hat im Gefängnis nichts verloren."

"Entschuldigung", unterbricht Haddad das Gespräch, "aber ich muss jetzt los zum Basketballtraining." Fast jeden Tag spielt er mit seiner Mannschaft, jetzt, wo er wieder darf. Er träumt ­davon, eines Tages Profi zu werden, fast drei Jahre Training hat er verpasst. Auf dem Weg zur Halle fährt er an Arbeitern vorbei, die "I love Mosul" und "Peace" an eine Überführung malen. Die Schicht des Friedens, der Zivilisation, die über Mossul liegt, fühlt sich sehr dünn an. An unzähligen Checkpoints stehen schiitische Milizionäre, die  über Lautsprecher laut ihre Lieder spielen.

Die Musik, mit der Amin Mokdad rebellierte, war ungewöhnlich für einen klassischen Musiker. Als der Islamische Staat in Mossul einfiel, trug er sein Cello auf das Dach seines Hauses und spielte die einzige Melodie, mit der er in diesem Moment seiner Wut und Verzweiflung Ausdruck verleihen ­konnte: "Thunderstruck" von AC/DC. Seine Waffe gegen den IS war der Bogen.

Ein junger Mann sitzt auf einem Hocker, hinter ihm links ein Gemälde und rechts eine Geige

Flucht nach Bagdad: Amin Mokdad im Künstlerkollektiv Tarkib

Drei Jahre später spielt Mokdad nicht mehr in Mossul, sondern auf der Rashid-Straße in Bagdad, der einstigen Prachtmeile der irakischen Hauptstadt. Mit zwei befreundeten Musikern hat sich der 28-Jährige vor einem alten Kino platziert. Sobald die erste Melodie erklingt, bleiben die Menschen stehen. Hier spielt Mokdad Beethovens neunte Symphonie, eine Ode an die Freude, begleitet von einem Beatboxer und einem Studenten, der auf einer persischen Daf trommelt. Schweiß läuft ihnen von der Stirn, es ist 50 Grad heiß, aber das macht nichts. Mit jeder Note versammeln sich mehr und mehr Schaulustige. Sie filmen mit ihren Handys, Taxifahrer hupen, Pick-up-Trucks mit bewaffneten Soldaten jubeln den Musikern zu. Nach fünf Liedern beendet Mokdad das Konzert. "Die Leute müssen hungrig bleiben."

Er kennt den Hunger nach Musik zu gut. Mehr als zwei Jahre lang musste er ihn unterdrücken. Mokdad war zunächst mit seiner Familie aus Mossul nach Bagdad geflohen, doch nach wenigen Monaten kehrte er zurück zu seinem Cello und der Violine. "Ich wusste, dass der IS Musik als Teufelswerk betrachtete, aber ich konnte nicht ohne meine Instrumente leben."

Während auf den Straßen die Schergen des IS patrouillierten, schuf er sich im Haus der Familie sein eigenes Reich. Er legte Kissen im Wohnzimmer aus, hängte Gemälde an die Wand, stellte Bücher ins Regal. Ein buntes Paradies in einer zusehends düsteren Welt. In diesem Reich schrieb Mokdad Geschichten und komponierte Musik. Jede Note war für ihn ein Akt der Rebellion. "Ich fühlte mich den Barbaren überlegen, machte sie mit meiner Kunst lächerlich", sagt er.

Dann aber, am 16. Juli 2016 um elf Uhr abends, klopfte es an der Tür. "Metall auf Holz", erinnert er sich. Er lugte durch das Küchenfenster und sah einen bärtigen Mann mit Pistole in der Hand. "Öffne die Tür oder ich bringe dich um", brüllte er, schubste ihn zur Seite und ging ins Wohnzimmer, in dem, so formuliert es Mokdad, "all meine Verbrechen lagen". Drei Stunden dauerte das Verhör.  Sie befahlen ihm, sich bei der Religionspolizei zu melden. Mokdad wusste, dass der IS Menschen schon für weniger umgebracht hatte. Er kletterte aus dem Fens­ter und floh zu einem Onkel. Dort versteckte er sich, bis die irakische Armee den Osten Mossuls befreite.

Zurück will er trotzdem nicht, zu tief sitzt die Angst. Dass jemals wieder echter Frieden in Mossul einkehrt, glaubt er nicht. Doch er glaubt fest daran, dass Musik gebrochene Seelen heilen kann. "Deshalb spiele ich auf der Straße: um die Menschen daran zu erinnern, dass es auch Schönheit auf der Welt gibt."

Einfach nur spielen

Tattookünstler Amar Hamdiyeh, für den Mossul einst eine prächtige Rose war, will lieber nicht über die Zukunft nachdenken. Er könne sie sowieso nicht beeinflussen, sagt er. Solange es genug Pillen und Schnaps gebe und niemand vor der Tür stehe, um ihn auszupeitschen, sei schon alles in Ordnung.

Mohammed Haddad wird weiter bei seiner Familie wohnen, bis er heiratet, wahrscheinlich wird er in einer Fabrik arbeiten, so wie die meisten in seinem Umfeld. "Manchmal fühlen sich die letzten Jahre an wie ein böser Traum", sagt er im Auto, auf dem Weg zum Basketballtraining. "Aber ich bin trotzdem stolz auf das, was ich getan habe." Er bereue nur, nicht noch mehr IS-Kämpfer getötet zu haben. Dann steigt er aus und verschwindet in der Halle, um zu spielen. Wie ein ganz normaler Junge.

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